Massey University - Universität in Palmerston North .: Diese Seite ist ein Informationsangebot des Instituts Ranke-Heinemann zum Auslandsstudium in Neuseeland :.
Ich habe für vier Monate an der Massey University in Palmerston North studiert und war mit allem sehr zufrieden.
Akademisches Angebot:
Die Massey University hat ihre Wurzeln in der Agrarwirtschaft und der Tiermedizin und das merkt man auch heute noch deutlich. Allerdings wurde das Studienangebot inzwischen stark ausgeweitet und beinhaltet mittlerweile alles von Pädagogik, Mathematik, Wirtschaft bis zu Kunst. Besonders für Biologie hat die Massey University viel zu bieten. Das Neuseeland weite Exzellenzzentrum für molekulare Evolution und Ökologie – das Allan Wilson Centre – hat hier seinen Hauptsitz. Wenn man sich für dieses Themengebiet interessiert, ist man in Palmerston North so gut aufgehoben, wie nirgendwo sonst auf der Welt. Ich habe alle meine Kurse in diesem Centre belegt und wahnsinnig viel dabei gelernt. Im Allan Wilson Centre kooperieren Mathematiker, Statistiker, klassische Biologen und Molekularbiologen so, dass die Forschung und Lehre sehr interdisziplinär angegangen wird.
Unterschied zum Studieren in Deutschland:
Im Gegensatz zum Biologie-Studium in Deutschland wird in Neuseeland viel Wert auf das Trainieren von akademischen Basisfertigkeiten gelegt und nicht nur einfach Faktenwissen vermittelt. Die meisten meiner Kurse waren Diskussionsrunden, in denen man sich einmal die Woche für zwei Stunden getroffen hat, um über ein gewisses Thema zu diskutieren, auf das man sich ausgiebig vorbereitet hat. Dabei musste man gewaltige Mengen Papier abarbeiten, so war es keine Seltenheit pro Woche und Kurs über zehn Publikationen durchzuarbeiten. Aus meinen Seminaren in Deutschland war ich es bisher nur gewohnt, dass man als Student eine oder maximal zwei oder drei Publikationen aufarbeitet und vorträgt. In Neuseeland wurde mir so ein viel umfassenderes Bild der Themen vermittelt. Auch das kritische Hinterfragen von Forschungsergebnissen hatte eine viel grössere Bedeutung als in Deutschland. Oft musste man Reviews einreichen, die die Erkenntnisse aus einer ganzen Reihe von Einzelpublikationen zusammen fassen sollten. Alles in allem fühle ich mich durch das Auslandsstudium nun bestens auf den akademischen Forschungsalltag vorbereitet. In Neuseeland hat man als Student ein viel lockereres, ja fast schon kumpelhaftes Verhältnis zu seinen Professoren, was stark an den kleinen Kursen liegt. So stösst man jederzeit auf ein offenes Ohr, wenn man sich bei einem Projekt festgefahren hat und Hilfe benötigt.
Kulturelle Unterschiede und der Kiwi-Lifestyle:
Neuseeländer sind ein sehr sorgloses Volk. “No worries” ist die vorherrschende Einstellung zu Problemen aller Art.
Die Essmanieren können auf einen Deutschen im ersten Moment etwas befremdlich wirken. So ist es üblich, Kolloquien auf die Mittagszeit zu legen und während des Vortrages zu essen. Das geht soweit, das auch mal mit vollem Mund diskutiert wird.
Insgesamt sind die Neuseeländer sehr offen und kontaktfreudig und es wird einem sehr einfach gemacht sich einzuleben.Die Offenheit war so groß, dass ich schon nach zwei Tagen als ich mein Projekt im Labor begonnen hatte vom Laborleiter auf eine private Party in seinem Haus eingeladen wurde.
Sehr streng sind die Neuseeländer was Alkohol angeht. In der Stadt gibt es Alcohol Ban Areas wo man keinen Alkohol mit sich führen darf und während der Prüfungszeit wurde ein solcher Alcohol Ban auch für die Unterkünfte auf dem Campus verhängt. Selbst unser französischer Mitbewohner der gerne mal ein Rotweinsäuchen kochte, durfte während dieser Zeit keinen Wein im Schrank haben.
Lage der Universität:
Die Massey University bildet mit ihrem Hauptcampus eine eigene kleine Stadt für sich, die sogar von einem Fluss – dem Manawatu River – vom restlichen Palmerston North abgetrennt ist. Ein kleiner Ableger des Campus für Lehrämtler befindet sich weiter im Zentrum.
Auf dem Hauptcampus findet man alles, was man zum täglichen Leben benötigt – eine Filiale der National Bank, einen kleinen Supermarkt, eine Buchhandlung, ein Reisebüro, eine Apotheke und ein Medical Centre. Die Bibliothek ist gut sortiert und mit modernen Computern und einer kleinen Cafeteria ausgestattet.
Es gibt zahlreiche Unterkunftsmöglichkeiten direkt auf dem Campus – von großen Halls mit Speiseplan bis zu kleinen Appartments mit Küche ist alles vertreten. Ich habe mit meiner Freundin in der Atawhai-Siedlung auf dem Hügel über dem Campus gelebt. Diese Siedlung wird von der Universität für ältere Studenten empfohlen und das zurecht – wir haben uns dort sehr wohl gefühlt.
Essen kann man in der Mensa, die eine Asiatheke und eine Theke für Burger, Fish und Chips bietet oder in einem etwas edleren Bistro, das generell etwas teurer ist aber mit einem überraschend günstigen Salatbüffet daher kommt.
Für sportliche Aktivität ist ebenfalls gesorgt, so gibt es ein grosses Recreation Centre und die Felder und Parks um den Campus herum sind hervorragend zum Joggen geeignet.
Mehrmals pro Stunde fahren Buse vom Campus ins Zentrum von Palmi, ich würde aber empfehlen sich früher später ein eigenes Auto zu besorgen, weil man einfach mobiler ist und auch das Umland leichter erkunden kann. Hierfür bietet sich der Carmarket am War Memorial Square an, der jeden Samstag abgehalten wird und auf dem man echt günstige Angebote finden kann. Alternativ stellt die Massey Unitversity kostenlos (gebrauchte) Räder für ihre Studenten zur Verfügung – nur den Helm muss man noch selber kaufen, den zu tragen man in Neuseeland gesetzlich verpflichtet ist.
Palmerston North:
Palmi selbst ist zugegebenermassen nicht viel mehr als ein kleines Farmerstädtchen. Es gibt aber schon ein paar Möglichkeiten zum Weggehen – der grösste Schuppen -das Malbas- hat den eher unangenehmen Charakter einer Dorfdisco, aber es gibt sehr nette Pubs, u.a. einen Irischen in dem sich oft Kiwis zum gemeinsamen Musizieren Treffen. Nett ist auch das The Royal, welches regelmässig Konzerte aus den Bereichen Dub, Reggae, Rock oder Metal veranstaltet. Wenn man etwas ausgelassener feiern will, bietet es sich aber an, das Wochenende in Wellington zu verbringen (ca. 2 Stunden mit dem Auto), wo immer etwas los ist.
An Festivals ist das International New Zealand Film Festival zu erwähnen, das aber nicht nur in Palmi Station macht, sondern durch ganz Neuseeland tourt. Gezeigt werden internationale Arthausfilme und es sind meist überraschend viele deutsche Beiträge vertreten.
Zum Wandern ist es nicht weit in die Ruahines und Tuararuas, zwei sehr schöne wildbewaldete Gebirgsketten. Eine halbe Stunde mit dem Auto ist es bis zum Himatangi Beach an der Westküste. Auch der mächtige Vulkankegel des Taranaki und der berühmte Tongariro National Park sind nicht allzu weit entfernt.
Clubs
Sehr zu empfehlen ist der Massey Alpine Club, der eine eigene, verhältnismässig luxuriöse Hütte auf dem Berg Ruapehu (eines der beliebtesten Skigebiete Neuseelands) besitzt. Neben einem Alpine Instruction Course zweimal im Jahr, in denen man lernt mit der Eisaxt und anderem Hochgebirgsequipment umzugehen ,bietet der Club jedes Wochenende Ausflüge an. Von Klettern über Bungeejumpen bis zu Caven und einfach nur Wandern ist alles dabei. Die Beiträge, die man für so einen Ausflug zu zahlen hat sind sagenhaft günstig und es ist eine gute Gelegenheit Kontakt zu Kiwistudenten zu bekommen.
Die Ausstattung der Uni:
.. ist vorbildlich.. Es gab sogar bei uns in der Wohnsiedlung einen Raum mit Computern und der Möglichkeit zu drucken. Die Labore in den Naturwissenschaften sind absolut hervorragend.
Der Service, der einem als internationalen Studenten durch das Student Support Office zukommt, könnte kaum besser sein – in allen Fragen kann einem sofort geholfen werden. Eine Angestellte hat uns sogar angeboten sich am Wochenende mit uns zu treffen, um uns beim Autokauf zu unterstützen!
Zusammensetzung der Studenten:
Neben den einheimischen Studenten (inklusive Maori) findet man ein ganzes Potpouri an verschiedenen Nationalitäten. Am häufigsten trifft man auf Deutsche, US-Amerikaner und Inder gefolgt von Chinesen, Afrikanern Pakistani und Franzosen.
Campusleben:
Dadurch, dass der Campus so zentral organisiert ist gibt es ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl bei den Studenten. Immer Mittwochs finden für ein paar Stunden am Nachmittag keine Lehrveranstaltungen statt, damit die Studenten sich versammeln können. Hierzu legt dann ein DJ auf, es spielt eine Liveband oder es wird ein Donut-Wettessen abgehalten.
Das Sprachrohr der Studenten ist das Satire-Magazin Chaff, welches einmal wöchentlich erscheint und sehr gut zu unterhalten weiss. Quizabende sind bei den Kiwis sehr beliebt und werden oft abends in der MUSA Lounge abgehalten.
Von den vielen verschiedenen Nationalitäten, die man unter den Studenten finden kann feiern viele ihren Nationalfeiertag, indem sie traditionelles Essen anbieten und ihre Kultur präsentieren.
Persönliche Erfahrungen:
Der schwierige Spagat zwischen Studium und Freizeit ist mir gut gelungen.Ich habe bereits während des Semesters viel von Neuseeland gesehen (besonders durch die Mitgliedschaft im Alpine Club!) und trotzdem im Studium viel gelernt und meine Projekte vorangetrieben. In dem Centre, in dem ich war habe ich viele sehr interessante Forscherpersönlichkeiten kennengelernen können. Leider hatte ich kaum Kiwi-Studenten in meinen Kursen sondern fast nur Deutsche und Inder. Da meine Freundin mich nach Neuseeland begleitet hat und wir zu Hause Deutsch gesprochen haben, kam ich leider nie an den Punkt, an dem man komplett auf Englisch umschaltet. Dennoch habe ich mein Englisch – besonders durch die angeregten Diskussionsrunden mit den Professoren- stark verbessern können.
Ich habe in Palmi sowohl unter der Belegschaft des Allan Wilson Centres, als auch unter den anderen deutschen Studenten tolle Freundschaften geschlossen, die ich nicht mehr missen möchte.
Als Biologiestudent war ich besonders von der Vogel- und Unterwasserwelt Neuseelands fasziniert.
Ehemalige und derzeitige Studierende treffen sich im 4A Club.
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